Freitag, 30. Oktober 2009

Meine Mama ist da...

... und sie hat ganz viel mitgebracht (allein die Bücher haben 2,5 Kilo gewogen). Bald geht es auf nach Itaparika und Salvador, mal wieder Urlaub am Strand :)

Montag, 26. Oktober 2009

Tandem Tour


Lang ist es her, aber ihr habt ein Recht darauf, zu erfahren, wie ich mir damals die Nächte um die Ohren geschlagen habe und warum.

Offiziell war der Sinn der Tandem Tour, blinde und stumme Menschen aus Brasilien und Frankreichn gemeinsam von Alagoinhas nach Salvador zu schicken, natürlich mit wachsamen Augen und Polizeischutz. Sonst wäre am Ende noch einer geklaut worden. Und wie hätten die Brasilianer das bloß Sarkozy erklärt? Nein, der interkulturelle Konflikt sollte verhindert werden, nicht geschürt.

Offiziell kamen die Jungspunde also nur, um sozial zu sein. Im inoffiziellen Kreis (ohne Brüder) haben sie schnell ihre "wilde" Seite herausgekehrt. So kam es, dass ich unter anderem um eine ganze Nacht gebracht wurde, der erste Caipi hier in Brasilien seinen Weg an meine Lippen gefunden hat, und ich eines Nachts miterleben musste, wie vier erwachsene! Franzosen plus Nachtwächter "auf die Jagd" gegangen sind. Zum Glück ist dem Ratten ähnlichen Tier nichts weiter passiert. Es hat zwar einen ziemlichen Schock davon getragen, wurde aber wieder freigelassen.

Und sonst so? Ich habe mich weit aus dem Fenster gelehnt, um während des Fahrens Bilder machen zu können. Mir ging es vergleichsweisejedoch sehr gut abgesehen von der Angst, auf die Straße zu fallen. Die anderen mussten nämlich bei 30 Grad im Schatten schwitzen. Zum Schluss ging es dann als Belohnung an den Strand. Wofür ich und die anderen Freiwilligen belohnt wurden, weiß ich nicht, aber es war schön :)

Am Ende gab´s noch eine dicke, fette Party und dann war acabou, leider! Die zwei Wochen gingen viel zu schnell rum, ein Jammer. Im Februar geht es dann nach Frankreich, die internationalen Beziehungen aufbessern!

Kinderfest




Der Tag der Kinder ist in Brasilien ein offizieller Feiertag. Da haben sie uns eindeutig etwas voraus. Wir, also Taizé, haben ihn allerdings erst eine Woche später gefeiert, mit 400 Kindern und Müttern aus dem Viertel. Vielleicht waren auch ein paar Väter anwesend. Ich habe keine gesehen. Warum eine Woche später? Nun ja, es ist Brauch, dass die "Wohltäter" aus den reicheren Vierteln zu uns ins Bairro kommen und den Kindern Süßigkeiten und minderwertige Spielzeuge zu werfen. Wir von Taizé möchten den Kindern aber vor allem eines "zu werfen": Freude am Kindsein. Das hat nichts mit Materiellem zu tun, sondern mit Lachen.



So gab es kaum Schlägereien, dafür Capoeira, Clowns, eine Michael Jackson- Imitation und viele Spiele. Außerdem wurde Dorado, unser Brincadeira-Maskottchen 81 und kann ab sofort rechnen. Ein Hoch auf Dorado, dass er das in diesem hohen Alter noch auf die Reihe bekommt. Wenn man bedenkt, dass viele der Kinder nicht mal ihren eigenen Namen schreiben können!

Armer Rayk

Da wartet er jeden Tag auf Neuigkeiten aus Brasilien, und was kommt? Nichts. So geht das natürlich nicht. Recht hat er! Also, hier meine Bilanz nach drei Monaten, oder "Was haben sie denn da gelernt in Brasilien?"

"Uff, schwierige Frage. Können wir nicht mit etwas Leichterem anfangen?"
"Wenn Sie den Job haben wollen, können wir das nicht. Tut mir leid."
" Gut, also worauf ich ganz besonders stolz bin: Ich kann jetzt stricken. Ein orangener Schal ist es geworden. Wollen Sie ihn mal sehen?"
"..."
"Nicht? Er ist wirklich schön. Na gut, dann weiter. Mittlerweile kann ich in Ghetto-Brasilianisch parlieren. Ist das nicht was?"
"Unsere Klientel stammt nicht aus dem Ghetto, zumindest melden die sich bei uns nicht telefonisch."
"Achso, hm. Schwierig. Vielleicht bringt es der Firma ja etwas, dass ich Origami-Schildkröten basteln kann. Ich bin mir sicher, bei der Betriebsfeier sind die der Renner! Oder Fensterbilder. Zusammen mit einer anderen Freiwilligen habe ich eine Mädchengruppe geleitet. Seitdem bin ich recht fingerfertig."
"Sie wollen den Job nicht, richtig? Wir können das hier durchaus abbrechen. Spart Zeit und Geld."
"Nein, nein, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe auch "Tiefgründigeres" aus Brasilien mitgenommen: Es hat mich spirituell bereichert. Bei drei Gebeten am Tag war nichts anderes zu erwarten. Taizé eben. Genial einfach und einfach genial. Und überhaupt, die Arbeit mit den Kindern hat mich gelehrt, alles ein bisschen gelassener zu sehen. Geld ist nicht mehr alles für mich (gut, war es vorher auch nicht, aber das tut nicht zur Sache). Es gibt Wichtigeres. Armut hält einen nicht davon ab, Freude am Leben zu haben. Das habe ich gelernt. Klingt zu abgedroschen? Stimmt, aber von meinen Origami-Kenntnissen wollten Sie ja nichts hören."
"..."

Dienstag, 13. Oktober 2009

Kleine Randnotiz

Gestern waren wir Freiwilligen (Lou, Simone und ich) in Salvador. Nachdem wir erst mal eine Weile mehr oder wenig aus eigenen Stuecken mit einem Bus durch die Favelas getourt sind (zu Hause ist es doch immer noch am schoensten), haben wir uns aufgemacht in Richtung Altstadt.

Das war sehr interessant, denn jetzt habe ich so ein rotes Baendchen mit zwei Knoten. Scheint sehr typisch fuer Bahia zu sein. Waehrend die zwei Knoten fest gezogen werden, muss man sich etwas wuenschen. Problematisch erscheint mir nur, dass ich das Band jetzt solange tragen darf, bis es abfaellt. Das kann dauern. Schade xD

Dann ging es noch an den Strand, wo ich das erste schwule Paerchen hier in Brasilien gesehen habe. An sich ist das ja nichts besonderes, aber hier in Alagoinhas verhaelt es sich mit der Homosexualitaet doch etwas dezenter, um es einmal nett zu formulieren. Ehrlich gesagt moechte ich nicht wissen, was passieren wuerde, wenn man seine "Andersheit" offen ausleben wuerde. Kann man ja mal drueber nachdenken...

Um sechs Uhr abends ging's zurueck, ganz laessig mit dem Taxi. Mensch, war das ein Tag gespickt mit Dekadenz *hust*